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Nowa Huta - eine realsozialistische Stadt vor der Haustür konservativen Krakaus

Nowa Huta, das 1949 entstandene Arbeiterviertel am Rande Krakaus, war Ergebnis einer politischen Entscheidung. Die kommunistische Partei hat die Entstehung dieser Stadt gezielt geplant, um dem feudalen, bürgerlichen und viel zu intellektuellen Krakau ein realsozialistisches Denkmal direkt vor die Haustür zu setzen. 

Junge Leute aus der ländlichen Umgebung Krakaus wurden hier angesiedelt, um in der Lenin-Hütte, dem größten polnischen Stahlwerk, zu arbeiten.

In dem gewaltigen Industriekomplex, wo mehr als die Hälfte der polnischen Stahlproduktion erfolgte, sieht man die andere Seite der königlichen Stadt Krakaus: Nowa Huta ist ein steingewordenes Zeugnis der polnischen Arbeiterkultur der Nachkriegszeit.

Ironischerweise wurde die sozialistische Musterstadt zum Widerstandszentrum gegen die kommunistische Ordnung. Bereits zu Beginn der 60-er Jahre kam es zu ersten Konfrontationen zwischen den Arbeitern und den kommunistischen Machthabern. Damals verlangten die Bewohner von Nowa Huta die Zustimmung zum Bau einer Kirche. Die Unruhen dauerten einige Tage. In jahrelangen Kämpfen gegen die kommunistische Macht erkämpften die Bewohner der atheistischen Nowa Huta erfolgreich den Bau einer Kirche, die im Jahre 1977 von Karol Wojtyla, dem späteren Papst Johannes Paul II, geweiht wurde. Anfang 80-er Jahre kam es sogar zeitweilig zur Bildung einer Allianz zwischen der intellektuellen Elite Krakaus und den Arbeitern von Nowa Huta. Hier war die Gewerkschaft  'Solidarnosc'  (Solidarität) sehr aktiv. Die einstige Revolutionsstraße heißt heute die Solidarnosc-Allee.

Nowa Huta gilt heute als Muster der realsozialistischen Architektur. Die ältesten Siedlungen wurden noch nach den Plänen aus der Vorkriegszeit erbaut. Andere Siedlungen wurden von den polnischen führenden Architekten entworfen. Wie die Fachleute heute feststellen, fehlte es den Architekten nicht an Talent. Die Bauten präsentieren wirklich ein hohes architektonisches Niveau. 

Das Zentrum von Nowa Huta wurde in das Denkmalsregister eingetragen. Eine sehr aktive Bürgerinitiative bemüht sich um die Belebung dieses Stadtviertels. Heutzutage finden in den stillgelegten Hallen der Stahlhütte interessante Konzerte des Festivals "Sacrum - Profanum" statt. Man versucht, die ökologisch wertvollsten Gebiete unter Naturschutz zu bringen (z.B. das Projekt: Nowa-Huta-Wiesen). Die Grünen kämpfen um die neuen Radwege. In der Siedlung Osiedle Sloneczne plant man die Gründung einer Filiale des Historischen Museums der Stadt Krakau. Der Stadtteil versucht, sich auf Touristen zu öffnen. Es gibt sogar Pläne, hier das zweite kulturelle Zentrum Krakaus zu schaffen. 

Wer sich für Geschichte interessiert, soll unbedingt Nowa Huta besuchen. Hier sieht man, wie die Kommunisten versuchten, ihre Pläne und Träume von der Macht in der architektonischen Gestalt zu verwirklichen.


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